Der Verlag

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Hildegard-Junker-Verlag
Ein kleiner Verlag macht von sich reden

Zwischen Lüneburg und Uelzen, in der Nähe von Bad Bevensen, liegt das kleine Dorf Altenmedingen. Dort hat Hildegard Krützfeldt-Junker, vielen Hamburgern noch als aktive Musiklehrerin bekannt, ihren Verlag, den sie 1989 gründete und mit drei halben Mitarbeitern engagiert auch heute noch leitet. Es begann mit der ebenfalls wieder vielen Hamburgern bekannten Reihe "Schüler im Konzert", herausgegeben vom Musikausschuss der GEW.
34 Hefte sind inzwischen erschienen wie z. B. eine Einführung in Strawinskys "Feuervogel", in Beethovens "Eroica", in Haydns "Paukenschlagsinfonie" in Mozarts "Jupiter" usw.
Sie geben wichtige Informationen über die Musik und deren historischen Hintergrund und dienen zur Vorbereitung eines "Hamburger Schülerkonzertes".
Daneben entstand ziemlich zeitgleich eine zweite Reihe: "Oper & Theater für alle", in der z. B. eingeführt wird in Smetanas "Verkaufte Braut", in Humperdincks "Hänsel und Gretel" u. a. Neun Bände sind inzwischen erschienen und auch hier immer mit wechselnden Autoren.
Auch Historisch-Dokumentarisches ist inzwischen produziert worden wie z. B. "Hundert Jahre Hamburger Schülerkonzerte", ein Buch, das viele alte Dokumente aus der Staatsbibliothek enthält, abwechslungsreich gelayoutet ist, und das die Hamburger Schulbehörde allen Schulen kostenlos hat zukommen lassen oder die umfangreiche Schrift "Fritz Jöde, ein Beitrag zur Geschichte der Musikpädagogik des 20. Jahrhunderts" oder das Heft "Straßenkrach – HipHop, Suche Arbeit, brauche Zukunft", das der Verlag im Auftrage der Hamburger Kulturbehörde verlegt hat oder auch "10 Jahre Richard-Wagner-Verband, Hamburg", das im Auftrage des Wagner-Verbandes erstellt und liebevoll gestaltet wurde.
Auch das Musizieren kommt nicht zu kurz: Jürgen Kreffters "Mini-Orchester" – Instrumentalmusik für Anfänger – , zusammengestellt in zwei dicken Bänden, bestehend jeweils aus einer Partitur + Einzelstimmen, gleich im übersichtlich großem Druck, so dass sofort losgespielt werden kann, ist durchaus etwas Besonderes. Wenngleich Werner Krützfeldts (2008 †) Kompositionen (Streichquartett 1993, 6 lateinische Motetten 1956 und 7 Gesänge nach Gedichten von Hölderlin) auch auf ein anspruchsvolleres Niveau hinweisen, so sind auch diese Werke in dem kleinen Verlag in Altenmedingen in der Nähe von Bad Bevensen zwischen Lüneburg und Uelzen erschienen. Stellt ein "Notenkurs" methodische Kleinarbeit für die Grundschule dar, so gibt Uve Urbans "Different Trains" – eine Komposition von Steve Reich, vielseitige praktische Anregungen für Sek. I und II.
Vor einiger Zeit bekam ich von Hildegard Junker ein ganz besonderes Buch auf den Schreibtisch: "Edvard Grieg als Musikschriftsteller", ein Buch, das von Hella Brock aus Leipzig so anschaulich und lesefreundlich erarbeitet wurde, dass es eigentlich in keiner Musikbibliothek der Schulen fehlen sollte. Ich erwähne nur die Berichte Griegs über seinen Besuch in Bayreuth zur Uraufführung des "Rings"! Nein, ein Schulbuch im üblichen Sinne ist es nicht, aber zum Vorlesen und Besprechen ab Klasse 9 allemal in Ausschnitten geeignet, nicht zu vergessen seine mögliche Bedeutung für den lesefreudigen Lehrer selbst.
Übrigens finden sich im Verlagskatalog noch weitere Schriften über Grieg: diverse Kongressberichte der Deutschen Edvard Grieg-Gesellschaft , "Grieg im Musikunterricht" u. a. m.
Last not Least: Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass dieser Verlag auch mutig Nebengleise beschreitet. Da gibt es Schriften von Hans Helmuth Decker-Voigt, Heinz Lemmermann, Herbert Rühl, die zum Schmunzeln, zur Unterhaltung gedacht sind: „Der Schalk im Nacken“ (H. L.), „Der Blick in gelbe Augen“ (H.H. D.-V.) und „Professor Rühls hintersinnige Instrumentenkunde“. Auch Biografisch-Politisches lässt sich finden wie z. B. „Lena – oder der sozialistische Gang – aus dem Leben einer LPG-Bäuerin“, in dem übrigens Ingrid Apel, Tochter des von uns allen  gekannten Hamburger Hans Apel ein kluges Nachwort geschrieben hat.

Werner Hahn, 2013.