Heft 47: Musikfilme
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Produktbeschreibung
Schon bevor der Tonfilm erfunden war, trug Musik, vorgetragen von einem
Klavierspieler oder von einem kleinen Ensemble, zur Erläuterung,
Beschreibung, Charakterisierung und Stimmung des Filmgeschehens und zu
seiner Wirkungssteigerung bei. Als das Klavierspiel zum Film
überflüssig wurde, gab es ernsthafte Diskussionen und Klagen über den
Verlust eines Musikerberufs, z.B. in der Zeitschrift „Die Musikpflege“,
die Eberhard Preußner seit 1930 heraus gab. Ausgeglichen wurde dieser
Verlust durch die Gründung der Filmorchester, die ihre wichtigen und
prägenden Aufgaben bis heute erfüllen. Sie sind aus der Musikgeschichte
und aus deren ästhetischen und psychologischen Zweigen nicht weg zu
denken: Es gab und gibt bis heute eine fruchtbare Wechselwirkung
zwischen manchen Strömungen des Komponierens (vom Impressionismus über
Mahler bis ins zwanzigste Jahrhundert, um eine grobe Linie zu ziehen)
und filmtypischen Kompositionen, die personell wie kompositionstechnisch
von der „E-Musik“ sich abzweigten und sich zu einer selbständigen
Gattung entwickelte, mit eigenen Mitteln und Wirkungen. Die
Emigrationswelle aus Europa in die USA vom Beginn der dreißiger Jahre
des letzten Jahrhunderts gab dieser Entwicklung kräftige Anregungen.
Die
Tatsache, dass Filme sich zum Kennenlernen von Musik anbieten, wenn man
im Gemenge der filmischen Geschehnisse auf sie besonders achtet, muss
nicht eigens erörtert werden. Bekannt ist auch, dass Musik zu Filmen
oder in Filmen die Reflexion über die verschiedenen Funktionen
verdeutlicht, die Musik in Bezug auf Gegenstände, Personen, Handlungen,
Ereignisse und Stimmungen erfüllen kann.
So erklärt sich, dass man
auf dem Wege über die Musik sowohl etwas über die Kunstgattung Film
lernen kann, als auch, dass man über die Mittel, deren sich Filme
bedienen, etwas über Musik lernen kann. Diese doppelte Entdeckungs- und
Erfahrungsrichtung ist es, die den Musikfilm zu einem beliebten und
wirksamen Gegenstand des Musikunterrichts macht.
Sinnvoll ist es, über Filmmusik, Musikfilme, Musik in Filmen und verfilmte Musikgeschichten systematisch nach zu denken.
Da
gibt es Musik, die das Geschehen und das Dargestellte im Film
unterstützt, eigens hervorholt, in seinen Wirkungen verstärkend oder
kontrastierend begleitet. Das gilt, wenn Spannung aufgebaut werden, wenn
ein Wechsel von Turbulenz zu Idylle betont, wenn ein Weg durch
Unheilvolles bekräftigt werden soll. Zu dieser Funktion und zu diesem
Typus der Musik zu filmischen Geschehen gibt es unzählige Beispiele.
Da
gibt es Filme, die Musik und musikalisches Geschehen zum Thema haben.
Dazu gehören die früher beliebten Operettenverfilmungen, die heutigen
Musicalfilme und verfilmte Operninszenierungen.
Zu einer
Nachbargruppe gehören Filme, die das Leben und die Werke von Komponisten
zum Gegenstand haben. Beliebte Komponistenfilme nehmen oder nahmen sich
Wolfgang Amadeus Mozart zu Gegenstand, zeichneten oder zeichnen immer
aufs Neue das Leben und Schicksal von Franz Schubert oder Ludwig van
Beethoven und - je nach Jubiläumsjahren - Robert Schumann und seine
Frau Clara.
Was die Musik im Film oder für Filme betrifft, nutzen
viele die Kompositionen ihrer Protagonisten. Andere bedienen sich einer
Musik, die eigentlich nicht für den Gebrauch in Filmen entstanden ist.
Eine spezielle Kompositionskunst für Filme ist von der Leitmotivtechnik
übernommen, die in Opern des 19. Jahrhundert beliebt wurden (Carl Maria
von Weber, Richard Wagner). Manche „klassischen“ Kompositionen sind
überhaupt erst durch ihre Verwendung in Filmen bekannt geworden und
haben durch diese Verwendung eine eigene Interpretation erfahren. Das
gilt zum Beispiel für die Thomas Mann-Verfilmung „Der Tod in Venedig“
oder für den Mozart-Film „Amadeus“. Selbst in dem modischen Filmsujet,
das von Schule und Lehrer handelt, wird man fündig.
Die ausgewählten
Beispiele zu diesem schier unerschöpflichen und beliebten Thema, die
diese Ausgabe der DISKUSSION MUSIKPÄDAGOGIK enthält, geben Anregungen,
wie mit der Musik im Film, dem Film über Musik und der Filmmusik
sinnvoll umzugehen ist.
Christoph Richter
Heftartikel (ohne Magazin)
Werner Hahn: Laudatio für Hildegard Krützfeldt-Junker - zum 80. Geburtstag / Thomas Ott: Schubert in der Schulstube - oder: Warum Komponistenfilme im Musikunterricht? / Georg Maas: Eine musikalische Zeitreise - Das Filmmusical „Across the Universe” (2007) / Georg Maas: Der Musikfilm - Eine sehr persönliche Auswahl / Robert Lang: Musiklehrer im Spielfilm / J. Scott Goble: A pragmatist perspective on the historical roles of music education in the United States / Michaela Schwarzbauer: Die Bedeutung von Kontinuität und Diskontinuität im Bereich ästhetischer Erziehung / Fabian Bernstein: Bruch und Kontinuität in Alban Bergs zwei Vertonungen - zu Theodor Storms Gedicht „Schließe mir die Augen beide“ / Christoph Richter: Reden über Musik

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