Heft 49: Wissenschaft der Musikpädagogik - Wissenschaft vom Musikunterricht
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Produktbeschreibung
Die hier vorgelegte Ausgabe der „Diskussion Musikpädagogik“ ist der
Frage nach der wissenschaftlichen Musikpädagogik oder der
wissenschaftlichen Behandlung musikpädagogischer Fragen und Probleme
gewidmet. Die Idee zu diesem Thema ergab sich aus Anregungen des
Themenheftes über das Promovieren im Bereich Musikpädagogik. Während
dort Promovendinnen und Promovenden zu Wort kamen, die bunte Palette der
Themen vorgestellt und von der Arbeit des Doktoranden-Netzwerkes
berichtet wurde, haben wir in dem neuen Heft um Beiträge gebeten, in
denen grundsätzliche Fragen des wissenschaftlichen Arbeitens und
musikpädagogischer Fragestellungen erörtert werden. Ich hoffe, dass uns
dies partiell gelungen ist. Den Beitrag über die empirisch-quantitativen
Methoden mussten wir vertagen. Dies lag nicht an seinem Autor, sondern
an einer Terminänderung im Verlag. Wir werden den Beitrag von Jens
Knigge demnächst nachreichen.
Bei der Suche und Ansprache der
Autorinnen und Autoren und bei der Gestaltung des Heftes hat Anne
Niessen wertvolle Hilfe geleistet. Ihr sei herzlich dafür gedankt. In
Erinnerung an einen Briefwechsel zwischen Wilfried Gruhn und mir über
die Frage des Musikverstehens, den wir in Heft 28/1994 der Zeitschrift
„Musik und Bildung“ veröffentlicht hatten, schien es mir sinnvoll und
belebend, wieder einmal einen Briefwechsel zu veranstalten und zu
veröffentlichen. Auf diese Weise ist der einleitende Beitrag von Anne
Niessen und mir entstanden.
Die Beiträge dieser Ausgabe beschäftigen
sich eher systematisch mit der Frage nach den Möglichkeiten und
Bedingungen einer musikpädagogischen Wissenschaft. Zwei andere
Schwerpunkte wären ebenso reizvoll und ‚an der Zeit’ gewesen. Der eine
wäre der Frage nach dem Zusammenhang einer musikpädagogischen
Wissenschaft und den vielen anderen Aspekten des großen Gebietes
nachgegangen – sofern man mir konzediert, musikpädagogische Wissenschaft
als eine Anwendungswissenschaft zu bestimmen. Der andere Schwerpunkt
wäre eine musikpädagogische Wissenschaftsgeschichte gewesen. In
angemessenem Abstand werden wir beides nachholen. Interessant ist vor
allem, den langen und krummen Weg nachzugehen, der – seit der Antike,
dem Mittelalter, der Aufklärung und den Strömungen der Reformpädagogik
seit dem Ersten Weltkrieg bis zum vielfältigen Aufbruch seit den 70er
Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Fragen, Moden, Methoden einer
Wissenschaft von der Musikpädagogik mitsamt den umliegenden
Nachbarfeldern und mitsamt der Internationalisierung die Fragen nach der
Musikerziehung begleitet, stützt, stört ...
Heutzutage steht die
Wissenschaft von der Musikpädagogik bei ihren Verfechtern hoch im Kurs.
Man kann dies an der überbordenden Fülle von Veröffentlichungen messen,
die den Tisch eines Schriftleiters füllen (fast wie Weihnachten), auch
an dem Trend und der Ernsthaftigkeit zum Promovieren – abzulesen und an
der umfangreichen Themenliste des Doktoranden-Netzwerkes und am Erfolg
seiner Tagungen.
Freilich fallen mir auch ein paar bedenkliche Fragen
ein: Was wird aus den vielen Promovendinnen und Promovenden, die zum
Teil kaum Unterrichtserfahrungen (als ihrem Hauptberuf) haben. Können
sie Hochschullehrerstellen hinreichend betreuen? Sind wirklich alle
Fragestellungen und Themen – über ihren zugestandenen Selbstzweck hinaus
– für das Ganze des Faches nützlich, und können sie musikpädagogisches
praktisches Arbeiten fördern? Werden die Arbeiten so angelegt und
geschrieben, dass sie Leser finden (oder ist das kein Argument)?
Was
mich – verstärkt nach den Erfahrungen der beiden der Wissenschaft
zugeeigneten Heften – auch beschäftigt, ist die Frage, ob die drei (oder
mehr?) großen Methoden(be)reiche gegenseitig in so festen Grenzen leben
müssen, wie das gelegentlich erscheint. Regelmäßige Zusammenarbeit und
ständige (selbst)-kritische Methodendiskussion würden den Arbeiten und
ihren Fragestellungen gut anstehen. Ich versuche mich an einem Beispiel,
das mich in letzter Zeit viel beschäftigt, an der Frage nach dem
Verhältnis zwischen dem Einzelnen und der Gruppe in Unterrichts- und
Lernzusammenhängen. Mindestens drei Zugangsweisen zu diesem Thema kann
man unterscheiden:
Man kann Menschen danach fragen, ob, warum, wie
und in welchen Zusammenhängen sie (lieber) allein oder mit anderen
arbeiten bzw. lernen wollen. Aus den hochgerechneten Ergebnissen einer
solchen Befragung kann man, wenn man das will, praktische Arbeitsweisen
ableiten – mit allen Unwägbarkeiten, die eine solche Befragung hat.
Man
kann mit Menschen Interviews führen, in denen u. a. auch deutlich wird,
wie sie das Lernen gelernt haben, wie ihre Lebensweisen sind und ihre
Wünsche, was sie sich von der Arbeit mit anderen versprechen, wie
wichtig ihnen ihre Individualität ist, wie sie glauben, der
Allgemeinheit am besten dienen zu können ... Daraus können Einsichten
entstehen und so etwas wie eine Dauerdiskussion über das
gesellschaftliche Leben zwischen dem Einzelnen und der Gruppe.
Man
kann danach fragen, wie die Philosophie im Laufe der Zeit Menschenbilder
(mehr) als Entwicklung des Einzelnen oder (mehr) als Bild gemeinsamen
Lebens entworfen und beschrieben hat. Aus politischen, religiösen,
kommunikativen Theorien können Bilder vom Menschen entstehen,
gegeneinander abgewogen und erprobt werden.
Alle drei Richtungen sind
für sich genommen ernstzunehmende Antworten auf die Ausgangsfrage. Aber
wie viel einleuchtender und nützlicher wäre es, wenn Vertreter dieser
Ansätze miteinander ins Gespräch kämen und Lebens- oder Lernmodelle
entwickeln würden!
Christoph Richter
Heftartikel (ohne Magazin)
Wolfgang Martin Stroh: Ulrich Günther – Ein Nachruf / Anne Niessen & Christoph Richter: Musikpädagogische Wissenschaft - Briefwechsel / Jürgen Vogt: Schöngeister und Rechenknechte - Zum Verhältnis von Bildungstheorie und Bildungsforschung in der Musikpädagogik / Maria B. Spychiger: Entwicklungsperspektiven - einer aufgeklärten Musikpädagogik / Alexandra Kertz-Welzel & Hildegard Froehlich: Avoiding pitfalls when swimming in foreign waters - Reflexionen über Schlüsselbegriffe der internationalen Musikpädagogik / Dietmar Ströbel: Ausbildung hat keine Lobby - Sie geschieht im Interesse derer, die keine Drittmittel einzubringen haben. – Zum Wissenschaftler
als Ausbilder / Martina Krause: Auf den Begriff gebracht? - Perspektiven der musikpädagogischen Forschung für die Genese musikpädagogischer Grundbegriffe /
Anne Niessen: Die Rolle der Theorie im qualitativen empirischen Forschungsprozess /
Johannes M. Walter: O Tod, wie bitter bist du - O Tod, wie wohl tust du - Sechs Unterrichtsszenen zum dritten der Vier ernsten Gesänge op. 121 von Johannes Brahms / Klaus Weber: Überlegungen zu einem kompetenzorientierten undallgemein bildenden gymnasialen Musikunterricht in Baden-Württemberg

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